Besuche bei Patenkindern


Besuch bei Patenkindern im Lager Burdsch ash Shamali in Tyrus – März 2003

ZoomDie Sozialarbeiterin führte uns zusammen mit dem Verantwortlichen für die Informatik-Ausbildung, welcher englisch spricht und als Dolmetscher diente, zur Familie unseres Patenkindes. 

Mahmoud brauchte sehr lange, bis er seine grosse Scheu überwand. Durch kleine Geschenke und mit Hilfe seiner grossen Schwester liess er sich schliesslich locken. Wir trafen die Mutter, den ältesten Sohn Mohammad, die Tochter Fatima, Ahmad und Mahmoud an. Der Vater ist vor ca. 2 Jahren erkrankt und gestorben. 

Die Familie lebte in Libyen, bis sie das Land verlassen musste – es soll sich um einen politischen Deal gehandelt haben. Die Englisch-Ausbildung von Fatima wurde dadurch unterbrochen und konnte nicht weitergeführt werden. Sie arbeitet jetzt im Lager als Elektronikverkäuferin. Mohammad ist Gelegenheitsarbeiter in der Landwirtschaft. Die Mutter findet kaum Arbeit – wer hat im Lager schon Geld, um putzen zu lassen - und ausserhalb des Lagers wird solche Arbeit eher Frauen aus dem asiatischen Raum übertragen. Das gemeinsame Einkommen ist minimal und unsicher. 

Zoom Die Wohnung für die 8-köpfige Familie besteht aus einem Wohnraum mit Teppichen und Sitzkissen, einem Schlafraum mit gestapelten Matratzen und einem Schrank; daneben gibt es eine fensterlose Kochecke. Es gibt keine Heizung, keine eigene Toilette, kein fliessendes Wasser. Der Eingang zur Wohnung ist zum Schutz gegen Wind, Nässe und Kälte mit grossen Tüchern verhangen. Wir haben in diesem März erfahren, wie die Kälte und Feuchtigkeit alles durchdringen kann. 

Zoom Die Mutter empfing uns mit grosser Herzlichkeit. Wir waren beeindruckt von der Ausstrahlung, die trotz der misslichen Lebensumstände von ihr ausging. Sie hat uns arabischen Kaffee angeboten. Via Dolmetscher tauschten wir ein paar freundliche Worte aus. Auch wir erhielten kleine Geschenke – ein Beispiel für die Gastfreundschaft, aber auch für die Philosophie von Beit Atfal Assoumoud, dass die Bedürftigen nicht nur Empfangende, sondern im Rahmen ihrer Möglichkeiten immer auch Gebende sind. 

Dann verabschiedeten wir uns und freuten uns auf das Wiedersehen ein paar Tage später im Gästehaus Dar Assalam in Wardaniyeh, wo wir während unserer Reise untergebracht waren. Die Freude über den herzlichen Kontakt überdeckte nur kurz den Schock über die Lebensbedingungen dieser Familie. Wir wussten nun, dass das Geld für die Patenschaft bei der richtigen Adresse angekommen ist.

Hannes Mahnig


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